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Projektleitfaden Softwareergonomie

Der vorliegende praxisorientierte Leitfaden soll die Umsetzung der Ergonomie (Usability) in Software-Entwicklungsprojekten fördern. Er soll Projektverantwortliche unterstützen, ergonomische Aktivitäten in Software-Entwicklungsprojekten effizient und ökonomisch zu organisieren und umzusetzen. 

Zum Inhalt

Der Leitfaden beschreibt detailliert, wie ein Software-Entwicklungsprojekt aus ergonomischer Sicht auszurichten ist und welche ergonomischen Projektaktivitäten erforderlich sind. Er bietet praxisbezogene und umsetzungsorientierte Hilfestellung für Software-Entwicklungsprojekte in Form von konkreten ergonomischen Maßnahmen und Hinweisen zur Projektorganisation.

Der Projektleitfaden basiert auf der Norm DIN EN ISO 13407 ("benutzerorientierte Gestaltung interaktiver Systeme") und den Grundsätzen eines Vorgehensmodell mit sich wiederholenden Design- und Beurteilungszyklen sowie einer effektiven, frühzeitigen Benutzerbeteiligung.

Im Zuge der Normenrevision wurde eine neue Fassung der Norm mit der neuen Nummer DIN EN ISO 9241-210 und dem Titel "Prozess zur Gestaltung gebrauchstauglicher interaktiver Systeme" erstellt. Die Norm hat sich dabei in einigen Teilen geändert, jedoch nicht in den grundsätzlichen Aussagen. Deswegen behalten alle im Leitfaden beschriebenen Aktivitäten und Empfehlungen für Projekte ihre Aktualität und Gültigkeit.

Projektleitfaden zur Umsetzung von Software-Ergonomie 

Projektleitfaden Software-Ergonomie

Band 43 der Hessen-Media-Reihe, 2003
Lothar Bräutigam und Wolfgang Schneider

Im Auftrag der Hessen-Agentur bzw. des Hessischen Ministeriums für Wirtschaft, Verkehr und Landesentwicklung, Geschäftsstelle hessen media c/o InvestitionsBank Hessen AG, 2002
ISBN: 3-936598-43-6

Der Leitfaden kann unter folgendem Link von www.hessen-it.de heruntergeladen werden:
[pdf-Datei herunterladen]
(ca. 1 MB)

Aktuelle Information zur veränderten Norm ISO 13407 als Basis des Projektleitfadens (unbedingt lesen!)

Dem Projektleitfaden Software-Ergonomie liegt die Norm ISO 13407 zugrunde, die den Prozess der Software-Entwicklung aus ergonomischer Sicht beschreibt. Seit Januar 2011 ist eine neue Fassung dieser Norm mit der Nummer ISO 9241-210 und dem Titel "Prozess zur Gestaltung gebrauchstauglicher interaktiver Systeme" erschienen. Was bedeutet die neue Norm für die Anwendung des Projektleitfadens Softwareergonomie?

ISO 13407: die Basis des Projektleitfadens

Der Projektleitfaden Softwareergonomie enthält wichtige Aspekte, Hinweise und Ratschläge zur Umsetzung von Ergonomie in Projekten. Diese haben sich aus der langjährigen Projekterfahrung der Autoren ergeben. Alle beschriebenen Aktivitäten und Umsetzungshinweise wurden durch Referenzen auf die Norm ISO 13407 fachlich untermauert.

Da die Formulierungen der Norm recht allgemein gehalten sind, soll der Leitfaden konkretere Hinweise liefern, welche Aktivitäten zu welchen Zeitpunkten in Software-Entwicklungsprojekten aus ergonomischer Sicht einzuplanen sind. Der Leitfaden orientiert sich zwar an der Struktur und den Überschriften der Norm, übernimmt sie aber nicht im Wortlaut (bis auf wenige Zitate). Deswegen sollte der Leser ergänzend zum Leitfaden die neue Norm im Detail studieren.

Was hat sich in Bezug auf die Norm 13407 geändert?

Die neue Fassung der Norm ISO 13407 als ISO 9241-210 mit dem Titel "Prozess zur Gestaltung gebrauchstauglicher interaktiver Systeme" hat sich in Struktur und Aufbau inklusive der Überschriften nicht wesentlich verändert. Auch die Gestaltungsaktivitäten bzw. deren Stufen sind erhalten geblieben.

Geändert hat sich dagegen die Formulierung der jeweiligen Empfehlungen der Norm. Sie wurde angepasst an moderne Terminologie und neue Erkenntnisse. So ist jetzt die „User Experience“ neben der Usability erwähnt, die einen erweiterten Blick auf die Gebrauchstauglichkeit von Systemen beinhaltet. Einzelne Empfehlungen der Norm werden zudem inhaltlich präziser herausgearbeitet und dargestellt.

Einige Passagen wurden ausführlicher beschrieben, so z. B. die Anforderungen zum Nutzungskontext und zu den Methoden zur benutzerzentrierten Evaluation. Inhaltlich neu sind beispielsweise:

a.) Informationen zu den empfohlenen Arbeitsergebnissen ergonomischer Projektaktivitäten

Arbeitsergebnisse sind wichtig, um die Umsetzung der Ergonomie im Projekt zu unterstützen. Neben einer kurzen Übersicht über die geforderten Arbeitsergebnisse wird auch der Technische Report ISO/IEC/TR 25060 einer Normenreihe erwähnt, die Arbeitsergebnisse und Berichte ausführlicher beschreibt.

b.) Informationen zu Methoden, mit denen man Designalternativen überprüfen kann, wurden an moderne Sichtweisen angepasst und entsprechend überarbeitet.

Bezüglich der Methoden wie Usability-Tests, Evaluationen, Walkthroughs ist eine Referenz auf die Norm ISO 16982 einfügt worden. Diese Norm listet alle Usabilitybezogenen Methoden auf und beschreibt deren Vor- und Nachteile.

c.) Neu ist ein Kapitel zur Nachhaltigkeit menschzentrierter Gestaltungsaktivitäten und Projektorganisation.

Generell kann also festgehalten werden:

Alle Empfehlungen und Hinweise des Projektleitfadens für die Umsetzung der Ergonomie in Projekten sind nach wie vor gültig.

Allerdings können die Referenzen zwischen den im Anhang des Projektleitfadens vorgeschlagenen Projektaktivitäten und den einzelnen Empfehlungen und Abschnitten der Norm ISO 13407 nicht mehr verwendet werden. Diese wären durch die entsprechenden Referenzen auf die neue Norm ISO 9241-210 zu ersetzen.

Was hat sich grundlegend in Bezug auf die Normenreihe ISO 9241 geändert?

Durch die neue Struktur der Normenreihe ISO 9241 sollen alle Normen, die sich mit dem Thema Usability beschäftigen, sinnvoll in einen Nummernkreis eingebunden werden. So bekam der Teil ISO 9241-10 nach der Überarbeitung die neue Nummer 9241-110. Für einen Überblick über die Struktur siehe ISO 9241-100. Eine der wichtigsten Änderungen war die Erweiterung des Geltungsbereichs von der reinen Bildschirmarbeit (Ergonomische Anforderungen für Bürotätigkeiten mit Bildschirmgeräten) auf die Mensch-System-Interaktion. Dadurch sind die Normen der Reihe ISO 9241 per Definition auf alle Arten von Benutzungsschnittstellen anwendbar.

Inhaltliche Hinweise zum Projektleitfaden

Seit Erscheinen des Leitfadens hat sich die Umsetzung von Ergonomie in KMU, die Software selbst entwickeln oder entwickeln lassen, nach Auffassung der Autoren nicht wesentlich verbessert. Deswegen möchten wir an dieser Stelle noch einmal auf drei wesentliche Aktivitäten im Ergonomie-Leitfaden hinweisen, denen nach wie vor eine besondere Bedeutung im Hinblick auf eine erfolgreiche Umsetzung von Software-Ergonomie zukommt:

Aktivität 1 Ergonomieverantwortlichen bestimmen

"Verantwortlich" sollte nicht mit "ausführend" verwechselt werden. Unternehmen sollten darauf achten, qualifiziertes ergonomisches und psychologisches Knowhow zur Umsetzung von Ergonomie zu engagieren. Diese Qualifikationen können nicht mit ein oder zwei mehrtägigen Seminaren allein erworben werden.

Aktivität 3 Die Aufgabenbereiche Prüfen / Testen (Qualitätssicherung) und Design (Entwicklung) personell voneinander trennen

Aus Kostengründen Software-Entwicklungstätigkeiten mit Usability-Aktivitäten zu kombinieren, hat sich als unproduktiv erwiesen. Beide Aufgabengebiete sind zu komplex, um in Personalunion mit der erforderlichen Qualität bearbeitet zu werden. Auch erweist sich die ergonomische Ausbildung von Informatikern in der Regel als nicht ausreichend.

Aktivität 4 Sicherstellen der ergonomischen Kenntnisse und Fähigkeiten des (internen oder externen) Ergonomieverantwortlichen

Software-Ergonomie ist heute ein eigenständiges Wissensgebiet bzw. Berufsbild. Für eine erfolgreiche betriebliche Anwendung ist eine fundierte, interdisziplinäre Ausbildung erforderlich. Kenntnisse allein in Informatik oder Mediendesign sind nicht ausreichend.

© Copyright 2017  Lothar Bräutigam und Wolfgang Schneider