Entstehung
und Ziele des Leitfadens
Ziel des Leitfadens ist es, die
Umsetzung der Ergonomie in Software-Entwicklungsprojekten stärker zu
fördern. Klein- und mittelständischen Unternehmen wird eine Anleitung
an die Hand gegeben, die vor allem das "Wie" der Umsetzung der
Software-Ergonomie vermitteln soll.
Zu diesem Zweck wurde Ende 2002
eine Reihe von Workshops mit hessischen Software-Unternehmen
durchgeführt, die an der Entstehung des Leitfadens mitgewirkt haben.
Alle Inhalte wurden als Konsens in den Leitfaden aufgenommen und durch
einen Review-Prozess auf Akzeptanz geprüft.
Grundlagen des Leitfadens
bildet die Bildschirmarbeitsverordnung und die Norm DIN EN ISO 13407
"Benutzerorientierten Gestaltung interaktiver Systeme" (1999).
Die Norm führt aus, wie ein Software-Entwicklungsprojekt auszurichten
ist und welche Aktivitäten in dessen Verlauf erforderlich sind, um die
software-ergonomische Qualität des zu entwickelnden Produkts sicher zu
stellen. Beschrieben wird ein Vorgehensmodell mit sich wiederholenden
Design- und Beurteilungszyklen, Prototyping und einer effektiven,
frühzeitigen Anwenderbeteiligung.
Die Norm beschreibt jedoch nur
auf recht allgemeinem Niveau, wie man in Software-Entwicklungsprojekten
Ergonomie optimal berücksichtigt. Der Leitfaden führt diese Inhalte
aus und präzisiert sie.
Zielgruppe des Leitfadens
Der Projektleitfaden richtet
sich vor allem an die Zielgruppe der Projektverantwortlichen und
Projektleiter, die für die Organisation eines
Software-Entwicklungsprozesses zuständig sind. Er soll ihnen
Hilfestellung bei der Konzeption und Durchführung von
Software-Entwicklungsprojekten in Form konkreter, umsetzbarer Maßnahmen
bieten.
Hinsichtlich der Art der zu
entwickelnden Software weist der Leitfaden keine Einschränkungen auf.
Er bezieht sich nicht nur auf die Entwicklung von Bürosoftware, sondern
auf alle Arten von Software, die über Benutzungsoberflächen verfügen.
Vorteile durch die Anwendung
des Leitfadens
Durch die Anwendung des
Leitfadens und die dadurch verbesserte Umsetzung der Ergonomie in
Entwicklungsprojekten entstehen eine Reihe von Vorteilen:
- Verbesserte ergonomische
Qualität der Produkte
- Bessere Marktposition der
Software-Unternehmen
- Einsparungen während der
Entwicklung
- Vermeidung aufwendigen
Redesigns und teurer Nachbesserungen der Software
- Verbesserte Nachweisbarkeit
ergonomischer Maßnahmen durch Käufer/ Kunden
- Einhaltung der Forderungen
der Bildschirmarbeitsverordnung
Aus Sicht eines Software
herstellenden Unternehmens trägt software-ergonomische Qualität
entscheidend zur Attraktivität der eigenen Produkte und zur
Zufriedenheit der Kunden bei und verbessert damit die eigenen
Marktchancen.
Aus Sicht des Benutzers können
durch ergonomische Software psychische und physische Belastungen
minimiert und damit vorzeitige Ermüdung sowie gesundheitliche
Beeinträchtigungen vermieden werden.
Probleme mit der Umsetzung
der Software-Ergonomie
Die Grundsätze der Ergonomie
sind durch die Bildschirmarbeitsverordnung (1996) rechtlich bindende
Anforderungen, die bei der Gestaltung von Software zu berücksichtigen
sind.
Trotz der rechtlichen Vorgaben
und unbestrittener Wettbewerbsvorteile ist die Realität aber nach wie
vor eine andere: Viele Produkte verstoßen gegen software-ergonomische
Gestaltungsgrundsätze. Auf Seiten der Software-Produzenten wird
Software-Ergonomie häufig noch für eine zu kostspielige und daher zu
vernachlässigende Anforderung gehalten. Spätestens dann, wenn der
Zeit- oder Kostendruck in Software-Entwicklungsprojekten steigt, werden
ergonomische Aktivitäten zumeist als erste Einsparmöglichkeit
angesehen. Eine Fehleinschätzung, die sich auf die Marktposition der
Unternehmen über kurz oder lang kritisch auswirken kann.
Auch Unternehmen, die Software
entwickeln lassen oder Standard-Software einkaufen, verleihen der
Software-Ergonomie zu wenig Beachtung. Ergonomische Anforderungen finden
selten angemessene Berücksichtigung in Ausschreibungsanforderungen und
Pflichtenheften.
Sucht man nach Ursachen der
mangelhaften Umsetzung software-ergonomischer Anforderungen, so sind es
nicht nur mangelnde Qualifikationen der Software-Entwickler, zu knappe
Zeitpläne und Projektbudgets. Entscheidende Ursachen sind vor allem in
der unzureichenden Planung und Durchführung von
Software-Entwicklungsprozessen zu sehen. Hier lassen sich besonders
fehlende oder mangelhafte Anwenderbeteiligung sowie ein aus
ergonomischer Sicht ungeeignetes Vorgehensmodell für Softwareprojekte
anführen.
Förderung
Der Leitfaden wurde von der
TechnologieStiftung Hessen GmbH im Auftrag des Hessischen
Wirtschaftsministeriums gefördert.
November 2004
 
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