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Über den Leitfaden

Entstehung und Ziele des Leitfadens

Ziel des Leitfadens ist es, die Umsetzung der Ergonomie in Software-Entwicklungsprojekten stärker zu fördern. Klein- und mittelständischen Unternehmen wird eine Anleitung an die Hand gegeben, die vor allem das "Wie" der Umsetzung der Softwareergonomie vermitteln soll.

Zu diesem Zweck wurde Ende 2002 eine Reihe von Workshops mit hessischen Softwareunternehmen durchgeführt, die an der Entstehung des Leitfadens mitgewirkt haben. Alle Inhalte wurden als Konsens in den Leitfaden aufgenommen und durch einen Review-Prozess auf Akzeptanz geprüft.

Grundlagen des Leitfadens bildet die Bildschirmarbeitsverordnung und die Norm DIN EN ISO 13407 "Benutzerorientierten Gestaltung interaktiver Systeme" (1999). Beide Grundlagen haben sich vor einiger Zeit geändert. Die Norm wurde teilweise verändert und heißt jetzt DIN EN ISO 9241-210 "Prozess zur Gestaltung gebrauchstauglicher interaktiver Systeme". Die Bildschirmarbeitsverordnung wurde durch die Arbeitsstättenverordnung abgelöst, wobei sich hier inhaltlich nichts geändert hat.

Die Norm DIN EN ISO 13407 (bzw. jetzt Teil 210) führt aus, wie ein Software-Entwicklungsprojekt auszurichten ist und welche Aktivitäten in dessen Verlauf erforderlich sind, um die softwareergonomische Qualität des zu entwickelnden Produkts sicher zu stellen. Beschrieben wird ein Vorgehensmodell mit sich wiederholenden Design- und Beurteilungszyklen, Prototyping und einer effektiven, frühzeitigen Anwenderbeteiligung.

Die Norm beschreibt jedoch nur auf recht allgemeinem Niveau, wie man in Software-Entwicklungsprojekten Ergonomie optimal berücksichtigt. Der Leitfaden führt diese Inhalte aus und präzisiert sie.

Zielgruppe des Leitfadens

Der Projektleitfaden richtet sich vor allem an die Zielgruppe der Projektverantwortlichen und Projektleiter, die für die Organisation eines Software-Entwicklungsprozesses zuständig sind. Er soll ihnen Hilfestellung bei der Konzeption und Durchführung von Software-Entwicklungsprojekten in Form konkreter, umsetzbarer Maßnahmen bieten.

Hinsichtlich der Art der zu entwickelnden Software weist der Leitfaden keine Einschränkungen auf. Er bezieht sich nicht nur auf die Entwicklung von Bürosoftware, sondern auf alle Arten von Software, die über Benutzungsoberflächen verfügen.

Vorteile durch die Anwendung des Leitfadens

Durch die Anwendung des Leitfadens und die dadurch verbesserte Umsetzung der Ergonomie in Entwicklungsprojekten entstehen eine Reihe von Vorteilen:

Aus Sicht eines Software herstellenden Unternehmens trägt softwareergonomische Qualität entscheidend zur Attraktivität der eigenen Produkte und zur Zufriedenheit der Kunden bei und verbessert damit die eigenen Marktchancen.

Aus Sicht des Benutzers können durch ergonomische Software psychische und physische Belastungen minimiert und damit vorzeitige Ermüdung sowie gesundheitliche Beeinträchtigungen vermieden werden.

Probleme mit der Umsetzung der Softwareergonomie

Die Grundsätze der Ergonomie sind durch die Arbeitsstättenverordnung (vorher Bildschirmarbeitsverordnung) (1996) rechtlich bindende Anforderungen, die bei der Gestaltung von Software zu berücksichtigen sind.

Trotz der rechtlichen Vorgaben und unbestrittener Wettbewerbsvorteile ist die Realität aber nach wie vor eine andere: Viele Produkte verstoßen gegen softwareergonomische Gestaltungsgrundsätze. Auf Seiten der Softwareproduzenten wird Softwareergonomie häufig noch für eine zu kostspielige und daher zu vernachlässigende Anforderung gehalten. Spätestens dann, wenn der Zeit- oder Kostendruck in Software-Entwicklungsprojekten steigt, werden ergonomische Aktivitäten zumeist als erste Einsparmöglichkeit angesehen. Eine Fehleinschätzung, die sich auf die Marktposition der Unternehmen über kurz oder lang kritisch auswirken kann.

Auch Unternehmen, die Software entwickeln lassen oder Standardsoftware einkaufen, verleihen der Softwareergonomie zu wenig Beachtung. Ergonomische Anforderungen finden selten angemessene Berücksichtigung in Ausschreibungsanforderungen und Pflichtenheften.

Sucht man nach Ursachen der mangelhaften Umsetzung softwareergonomischer Anforderungen, so sind es nicht nur mangelnde Qualifikationen der Softwareentwickler, zu knappe Zeitpläne und Projektbudgets. Entscheidende Ursachen sind vor allem in der unzureichenden Planung und Durchführung von Software-Entwicklungsprozessen zu sehen. Hier lassen sich besonders fehlende oder mangelhafte Anwenderbeteiligung sowie ein aus ergonomischer Sicht ungeeignetes Vorgehensmodell für Softwareprojekte anführen.

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